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Finanzielle Repression - Niedrige Zinsen belasten Anleger


Ein Begriff findet aktuell zurück in die öffentliche Debatte: “Financial Repression”, also die finanzielle Repression oder Unterdrückung beschreibt eine Reihe von Maßnahmen, mit der Staaten versuchen, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. “Unterdrückt” würde in einem solchen Fall der freie Kapitalfluss, denn während die Staaten über hohe Inflation ihre Schulden abbauen, verlieren Vermögen auf der anderen Seite an Kaufkraft.

Was bedeutet “finanzielle Repression”?

Von finanzieller Repression ist die Rede, wenn Staaten versuchen, mittels bestimmter Maßnahmen ihre Schulden abzubauen. In der Regel kommen dabei zwei unterschiedliche Formen der staatlichen Einflussnahme zusammen:

  • Der Kapitalmarktzins wird künstlich niedrig gehalten. Fällt die Inflation höher aus als die Zinsen am Kapitalmarkt spricht man auch von “negativen Realzinsen”. Vermögen verlieren dabei dauerhaft an Wert, während gleichzeitig die staatliche Schuldenlast sinkt. Es findet also ein Transfer von Kapital von den Gläubigern zu den Schuldnern statt.
  • Bei einer finanzielle Repression kommen zudem noch Maßnahmen hinzu, die verhindern sollen, dass Anleger auf einfache Weise die Anlagekategorien wechseln können, um den niedrigen Zinsen zu entkommen.

    So können die Eigenkapitalregeln für Banken verschärft werden, damit diese verstärkt in Staatsanleihen investieren oder andere Investitionen steuerlich benachteiligt werden. Es werden also künstliche Anreize gesetzt, Staatsanleihen weiterhin zu halten bzw. zu kaufen.

Aktuelle Anzeichen einer finanziellen Repression in Europa

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Finanzielle Repression in Europa?
Bild: Gerd Altmann / Shapes:
AllSilhouettes.com / pixelio.de

Nicht wenige Ökonomen sehen bereits heute deutliche Anzeichen einer finanziellen Repression in Europa. Alleine die Präsenz des Begriffs in der öffentlichen Debatte der letzten Tage und Wochen ist erstaunlich.

So betreiben die Zentralbanken schon seit längerem eine Niedrigzinspolitik in Europa, Änderungen innerhalb der nächsten zwei Jahre erscheinen unwahrscheinlich. Durch massive Käufe von Staatsanleihen wurden die Zinsen in Ländern wie Italien, Portugal oder Spanien niedrig gehalten.

Beim Kauf von Staatsanleihen müssen Banken in den meisten Fällen kein Eigenkapital in den Bilanzen ausweisen. In einem Interview mit boerse.ard berichtet Stefan Hofrichter, Chefvolkswirt von Allianz Global Investors, zudem von einem “gewissen Druck” der Regierungen auf die Banken, nationale Staatsanleihen zu kaufen.

Finanzregeln wie Basel III oder Solvency II zwingen dann Banken und Versicherungen zu teilweise “widersinnigem” Handeln (Focus, “Die stille Enteignung”, 06.06.2011): Für Staatsanleihen maroder Staaten müssen keine Sicherheiten hinterlegt werden, bei der Investition in solide Unternehmen jedoch schon.

Sparer erleiden Verluste

Die Auswirkungen der hohen Inflation gemeinsam mit den niedrigen Zinsen sind bereits heute spürbar. In Zeiten einer anhaltenden finanzielle Repression erleiden die Sparer zudem langfristig und kontinuierlich Verluste. Sparer kaufen zwar in den wenigsten Fällen direkt Staatsanleihen, sind jedoch indirekt in hohen Maße an die Anleihen gebunden.

Denn um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten und ihr Risiko zu minimieren, sind die großen Versicherungsgesellschaften praktisch gezwungen, in “sichere” Staatsanleihen zu investieren. Sprich: Wer sein Geld in einer privaten Rentenversicherung oder Lebensversicherung investiert hat, verliert real an Vermögen. Betroffen sind damit natürlich auch alle Modelle der Altersvorsorge, die über Versicherungen realisiert werden, also etwa der klassische Riester-Vertrag.

Problematisch können zudem auch klassische Bankeinlagen wie Sparbuch, Festgeld und Tagesgeld sein, denn deren Renditen sind meist eng an den Kapitalmarktzins geknüpft.

Um der finanzielle Repression zu entkommen, müssten Sparer zukünftig Anlagekategorien wählen, die von den Zinsen am Kapitalmarkt sowie den Staatsanleihen relativ unabhängig sind: Etwa Immobilien, deren Erwerb durch die niedrigen Kreditzinsen derzeit sogar begünstigt wird. Auch Unternehmensanleihen, Riester-Fonds oder Aktien erscheinen vielversprechend: Auch hier können Sparer Verluste erleiden, sie sind jedoch unabhängiger von nach unten manipulierten Zinsen.

© Autor: PE

1 Kommentar »

[…] ja: “Finanzielle Repression” nennen Experten den Vorgang der Entschuldung der Staaten zu Lasten der […]


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